Wie die Politik Journalisten mit „Bildungsangeboten“ zu beeinflussen sucht

Foto: Guillaume Périgois / Unsplash
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Rostock. Wer als Journalist in Mecklenburg-Vorpommern tätig ist, hat dieser Tage eine Einladung zu einem Workshop für Journalisten am 4. März an der Universität Rostock erhalten. Dieser trägt den unverdächtigen Titel: „Europawahl 2024 – was bewirkt die EU in Mecklenburg-Vorpommern?“ Pikant ist, wer zu dieser „Fortbildungsveranstaltung“ einlädt: das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten in M-V.

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Gemeinsam mit dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Vertretern der EU-Kommission und des Europäischen Parlaments, darunter zwei Linken- und Grünen-Abgeordneten, und Journalisten wolle das Ministerium über Fakten, Hintergründe und Recherchetipps zu den Wahlen, der EU-Kommission und dem Europäischem Parlament informieren, heißt es.

Workshop soll für regierungsfreundliche Berichterstattung werben

Von insgesamt 12 Referenten sind gerade einmal drei Journalisten. Drei gehören der Europäischen Kommission, drei dem Europäischen Parlament, zwei der Landesregierung in M-V und einer dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz an. Von einer unabhängigen Veranstaltung kann somit nicht gesprochen worden. Doch selbst der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ist sich nicht zu schade, in seinem Newsletter für die Teilnahme an der Regierungsveranstaltung zu werben.

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Wer als Leser schon bisher eine gewisse Staats- und Regierungsnähe bei einigen Journalisten beklagt hat, wird sich nun bestätigt fühlen. Es macht den Eindruck, die Politik wolle Lobbyarbeit betreiben, um Journalisten für eine regierungsfreundliche Berichterstattung zu gewinnen. Die Ausrichtung des Workshops durch die Politik ist gleich mehrfach kritisch.

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Zum einen handelt es sich um klassische Lobbyarbeit. Die Verhaltenspsychologie weiß, dass selbst kleine Gefallen und Geschenke zu einer Gegenleistung führen, selbst wenn das Gegenüber sich der Absicht bewusst ist. Häufig führt dies zu einer freundlicheren Bewertung des Gegenübers. Davor sind auch Journalisten nicht gefeilt, von denen anzunehmen ist, dass sie nach dem Workshop regierungsfreundliche Berichte verfassen werden.

Zweitens könnte das Land M-V eine derartige Veranstaltung problemlos mit unabhängigen Lehrkräften der Universität Rostock durchführen, ohne Lobbyisten der EU-Kommission oder des EU-Parlaments zu beteiligen. Auch die Zeitungsverlage OZ, SVZ und Nordkurier könnten bei Bedarf einen eigenen Workshop organisieren. Dass sich der SVZ-Chefredakteur dennoch für ein Begrüßungswort vereinnahmen lässt, zeigt, wie es um die Regierungsnähe vieler Journalisten in M-V bestellt ist.

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