Analyse: Warum die AfD scheitern wird

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Berlin. Die AfD erreicht in Umfragen zur Bundestagswahl mit 20 Prozent derzeit die höchsten Werte seit ihrer Parteigründung im Jahr 2013. Zu verdanken hat sie die Wahlergebnisse der Bürgerferne der Politiker im Bundestag und den Landtagen. Doch sie wird die Umfrageergebnisse voraussichtlich nicht bis zur Bundestagswahl retten können.

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Die Gründe für den Aufstieg der AfD bei den Umfragen sind zahlreich. Statt sich schützend vor die Bevölkerungsmehrheit zu stellen, ziehen es die Regierungen und die Parteien bei kontroversen Themen immer wieder mehrheitlich vor, über die Köpfe großer Teile der Bevölkerung hinweg zu entscheiden.

Das war der Fall bei der Völkerwanderung von 2 Millionen Menschen aus dem arabischen Raum seit dem Jahr 2015, die eine Mehrheit der Bevölkerung nicht wollte. Aktuell ignorieren die Parteien erneut den Wunsch der Bevölkerungsmehrheit nach einer Begrenzung der Zuwanderung und Flüchtlinge.

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Zu Corona-Zeiten sind Millionen Ungeimpfte durch 2G- und 3G-Regeln vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, diskriminiert und in verschiedensten Variationen als schlechte Menschen beschimpft wurden, weil sie einen experimentellen Impfstoff mit sehr vielen, teils schweren, Nebenwirkungen nicht testen wollten.

Die Parteien nehmen bis heute in Kauf, dass sich die Sanktionen gegen Russland wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine zulasten der deutschen Bevölkerung auswirken, was sich in wesentlich höheren Energiepreisen und stark gestiegenen Verbraucherpreisen zeigt.

Zuletzt sollte gegen den Willen der Bevölkerung aus rein ideologischen Gründen ein Heizungsgesetz beschlossen werden, das für die meisten Besitzer von Eigenheimen unfinanzierbar ist, weil die von der Bundesregierung angepriesenen Wärmepumpen laut Heizungsbauern nur bei umfassender Sanierung und zusätzlichen Kosten von mehreren zehntausenden Euro effizient arbeiten.

Die AfD wird dennoch scheitern

Doch trotz dieser Entwicklungen, von denen bisher einzig die AfD als Fundamentalopposition profitieren kann, wird sie scheitern. Die Partei träumt bereits von einer Regierungsbeteiligung, doch es gibt einen simplen Grund, warum sie die Rekord-Umfrageergebnisse nicht bis zur Bundestagswahl retten kann: Sarah Wagenknecht.

Sarah Wagenknecht wird voraussichtlich Ende des Jahres eine eigene Partei gründen. Wer sich ihre letzten Videos zum Sommer-Spezial auf ihrem YouTube-Kanal ansieht, kann es erahnen, denn sie ist überzeugt, dass es „eine seriöse Alternative zur AfD“ braucht und sie freut sich darauf.

Inhaltlich vertritt sie bei allen Reizthemen dieser Tage Positionen, die mehrheitsfähig sind und sich deutlich von den etablierten Parteien unterscheiden. Sie ist für eine Begrenzung der Zuwanderung, war eine bekennende Gegnerin der Ausgrenzung und Diskriminierung von Ungeimpften, ist für Friedensverhandlungen mit Russland, für die Aufhebung des Öl- und Gas-Embargos und ist eine Kritikerin des Heizungsgesetzes. Kurzum: Sie nimmt Positionen ein, die sonst nur von der AfD vertreten werden.

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Darüber hinaus macht Sarah Wagenknecht Menschen mit geringen und mittleren Einkommen ein wesentlich besseres Angebot als die wirtschaftsnahe AfD, die sich gegen einen Mindestlohn und gegen die höhere Besteuerung von Vermögenden ausspricht. Wagenknecht selbst befürwortet einen Mindestlohn von 14 Euro, höhere Spitzensteuersätze und eine Millionärssteuer, um die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen.

Das alles macht Wagenknecht für AfD-Protestwähler, ebenso für ehemalige Wähler von SPD und Linken, zu einer attraktiven Alternative, wenn sie eine eigene Partei gründet. Im Gegensatz zu allen anderen Parteien wird sie nicht müde, AfD-Wähler als normale Bürger einzuordnen, die die Partei häufig nur wählen, weil es derzeit kein seriöses Angebot gibt. Das kommt an bei vielen Wählern.

Wählerpotenzial von bundesweit 24 Prozent

Umfragen bescheinigen einer Wagenknecht-Partei bundesweit bereits ein Wählerpotenzial von 24 Prozent. Bei der Landtagswahl in Thüringen könnte sie laut einer Umfrage aus dem Stand mit 24,5 Prozent gar stärkste Partei werden. Die AfD wird somit voraussichtlich die meisten Stimmen unter allen Parteien an eine Wagenknecht-Partei verlieren.

Im Gegensatz zur AfD wäre eine Wagenknecht-Partei zudem koalitionsfähig, da sie trotz aller Differenzen in der Sache respektvoll mit den anderen Parteien umgeht und daher eine Gesprächsgrundlage vorhanden ist. Das zieht weitere Wähler an, die gern auf einen Wahlsieger mit Regierungsperspektive setzen. Aus dem Stand könnte die Wagenknecht-Partei bei der Bundestagswahl 2025 folglich einen Stimmenanteil von 10 Prozent, möglicherweise gar 20 Prozent, erreichen.

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