„Wenn Kaufland kommt, wird Penny überflüssig“

Foto: Zoltán Szabó
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Kröpelin. Die Neuansiedlung des Kauflands an der Rostocker Straße auf der Ackerfläche neben Penny sorgt für Streit.

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In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stellten der holländische Investor Pepijn Pelt von Archipelt International und ein Architekt die Pläne zur Modernisierung des bestehenden Einkaufskomplexes mit Penny und Getränkeland an der Rostocker Straße vor. Der Verkaufskomplex sei „in die Jahre gekommen“, so Pelt.

Modernisierung nur unter einer Bedingung

Dabei wurde klar, eine Modernisierung im geplanten Umfang mit Neuansiedlung des Vollsortimenters Edeka werde es nur geben, wenn der 3.500 Quadratmeter große Kaufland nicht komme. Die Wettbewerbssituation dürfe sich nicht verändern, sonst würden sich die Investitionen nicht lohnen, sagte Pelt, der die Verkaufsflächen als Investor seit 20 Jahren vermietet.

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Kröpelin sei bei stagnierender Bevölkerung und einer Verkaufsfläche von 2,22 Quadratmetern pro Einwohner bereits wesentlich besser versorgt als der Bundesdurchschnitt mit 1,5 Quadratmetern pro Einwohner, trotz geringerer Kaufkraft. Das erschwere es Mietern, kostendeckend zu arbeiten und sei ein möglicher Grund, warum Ernstings Family in der Rostocker Straße bereits seinen Mietvertrag gekündigt habe, so Pelt.

„Wo Kaufland kommt, wird Penny überflüssig“

Wenn Kaufland komme, würde sich die Verkaufsfläche für Anbieter von Nahrungs- und Genussmitteln und Drogerien in Kröpelin laut Pelt zudem verdoppeln. Das sei unwirtschaftlich. Auch der Penny-Vertreter machte deutlich: „Wo Kaufland kommt, wird Penny überflüssig. Dann werden wir die Segel streichen müssen.“ Diese Beobachtung habe das Unternehmen bundesweit gemacht und vermutete, das gelte auch für den Getränkeland in der Rostocker Straße.

Der Penny-Vertreter unterstellte Kaufland zudem, „keine Kompetenz bei der Lebensmittelversorgung“ zu haben und lediglich ein großer Discounter zu sein, was die Stadtvertreter mit Blick auf die Qualität der Lebensmittel nicht gelten ließen. Penny versorge die Kröpeliner zudem seit 1991 zuverlässig mit Lebensmitteln, das solle bei der Entscheidung berücksichtigt werden, so der Vertreter.

Die Ernstings Family-Filiale hat den Mietvertrag bereits gekündigt. Foto: Zoltán Szabó

So sehen die Pläne des Investors aus

Mehrere Millionen Euro wolle die Investorengruppe in den Standort investieren, wenn Wettbewerber Kaufland sich nicht ansiedele. Das Konzept sehe vor, die nach vorn herausragenden Bauten des U-förmigen Baus zu entfernen und die Verkaufsflächen von Penny und dem Getränkeland zu vergrößern. Die bisherigen Mieter wie der Handyladen und der Imbiss sollen an anderer Stelle untergebracht werden. Als Zwischenlösung seien Container oder Zelte auf dem Parkplatz denkbar.

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Linksseitig des Penny solle dann eine moderne, 1.650 Quadratmeter große, Edeka-Filiale für rund 3,5 Millionen Euro errichtet werden. Die 175 Parkplätze auf dem Komplex sollen erhalten bleiben. Die Dächer der Gebäude von Edeka und Getränkeland würden mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, so der Architekt. Der Edeka-Vertreter betonte, die Kette würde sich gerne in Kröpelin niederlassen, wenn sich die Meinung der Stadtvertreter noch ändere.

Der Architekt stellt die Pläne für die Modernisierung des Komplexes vor. Foto: Zoltán Szabó

Stadt erteilt vorläufige Absage an Investor

Die Vorsitzende des Bauausschusses, Karin Reichler (CDU), sagte, sie habe zwar Verständnis für die Befürchtungen des Investors und der Händler. Doch der Investor sei „ein bisschen spät“ mit seinen Plänen. Der Aufstellungsbeschluss für die Kaufland-Ansiedlung liege bereits vor.

Auch Bürgermeister Thomas Gutteck (parteilos) verwies auf die erfolgte politische Willensbildung in den Gremien, die zu respektieren sei. Die Entscheidung sei auch gefallen, weil in den letzten 20 Jahren nicht viel in den Verkaufskomplex investiert worden sei. Die Genehmigungsverfahren seien bei Kaufland nun zunächst abzuwarten. Der parallele Plan des Investors werde keine Genehmigung finden, sagte er.

Stadtvertreter Thomas Lehner (CDU) argumentierte, Kaufland könne mit seiner 3.500 Quadratmeter-Verkaufsfläche als Vollsortimenter zudem ein wesentlich größeres Angebot an Drogerieartikeln bieten als die geplante, halb so große Edeka-Filiale. Ein größeres Drogerieangebot in Kröpelin zu schaffen, habe bei der Entscheidung für Kaufland eine Rolle gespielt.

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Den Wunsch des Investors und des Penny-Vertreters, die beiden Pläne zumindest parallel zu prüfen, erteilten Reichler und Gutteck eine Absage. Kaufland habe das Grundstück bereits erworben – die Stadt sei an den Aufstellungsbeschluss gebunden. Würde die Stadt vom Vertrag zurücktreten, müsste Kröpelin Entschädigungszahlungen leisten, so der Bürgermeister. Sie könnten jedoch zusichern, dass die Pläne des Investors geprüft würden, sollte es mit Kaufland nichts werden.

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